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Elchinator Männlich

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Montag, 14. Mai 2012, 21:05

WE Browning High-Power 1935



Es gibt wohl keinen anderen Konstrukteur, dessen Name in so vielen auch heute noch verwendeten Produkten auftaucht, wie John Moses Browning. Manche sagen auch, J.M. Browning wäre der Leonardo Da Vinci der Waffentechnik. Sicherlich keine Übertreibung, denn Brownings Konstruktionen sind auch heute noch das Maß aller Dinge.
Nach Jahrzehnten der erfolgreichen Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen wie Colt und Winchester, aus der waffentechnische Meilensteine wie Winchester 1892, Colt 1911 oder das Maschinengewehr M1919 hervorgingen, zog Browning Anfang des 20. Jahrhundert nach Liège (Lüttich) in Belgien. Dort arbeitete er mit der damals noch jungen Firma FN im benachbarten Herstal zusammen. In seinem Büro entstanden dann die ersten Muster einer verbesserten automatischen Pistole, die die Schwächen der 1911 - zum Beispiel der ruckelnde Abzug, der zu früh abkippende Lauf oder die auf Fertigungstoleranzen (!) basierende Verriegelung der Patronenkammer - überwinden sollte (Mehr dazu siehe unten). Browning starb 1926, noch vor der Vollendung seiner Konstruktion, an einem Herzinfarkt.

Erst sein Nachfolger, Dieudonné Saive, brachte die Entwicklung 1935 zum Abschluß, als in Belgien eine neue Militärpistole ausgeschrieben wurde. Zu seinen Beiträgen zählt auch das doppelreihige Magazin, das damals noch eine technische Innovation darstellte.

Die Browning High-Power oder M1935 ist eine der wenigen - aber nicht die einzige, wie in der englischen Wikipedia behauptet - Waffen, die im 2. Weltkrieg auf beiden Seiten eingesetzt wurde. Die Alliierten benutzen die von der kanadischen Firma Inglis von geflüchteten FN-Mitarbeitern herstellten Brownings, während die Deutschen die im besetzten Belgien bei FN hergestellten Pistolen hauptsächlich an die Waffen-SS ausgaben.

Von der High-Power wurden über die Jahre verschiedene Varianten entwickelt, darunter auch solche mit einem Double-Action-Abzug (GP-DA/BDA). Über 80 Nationen setzten oder setzen die HP als militärische oder polizeiliche Waffe ein. Damit zählt sie zu den am weitesten verbreiteten Pistolen, die ihrer "großen Schwester" 1911 in nichts nachsteht.




Die hier vorgestellte WE Browning ist ein direkter Nachbau der Version von Tanaka, nur eben aus Metall statt ABS. Die Pistole ist einer der ersten M1935 nachgebildet, dem Modell "Capitan" mit Kurvenvisier, wie man es höchstens noch von der Mauser C96 oder der Luger "Artillerie" kennt. Eine "Mark III", wie sie bis in die 90er bei SAS und britischen Streitkräften eingesetzt wurde, ist bis jetzt von WE noch nicht angekündigt. Aber von Tanaka gab es die ja auch und der Nachbau wäre nicht weiter schwierig...

Die von Umarex importierten Pistolen werden in eigene Kartons umgepackt und mit einer mehrsprachigen Anleitung versehen. Dabei ist leider die Explosionszeichnung unter den Tisch gefallen, weshalb wir sie hier in digitaler Form nachliefern:
Browning Hi-Power Explosionszeichnung
Der geringe Lieferumfang mag erschrecken, aber genau so kommt die Waffe von WE - nur zusammen mit der Anleitung. Kein Speedloader, keine BBs. Ein Hinweis auf den Käuferkreis, wie wir gleich noch merken werden...



Die Verarbeitung der Pistole ist auf dem hohen Niveau, wie man es inzwischen von WE kennt. Die Lackierung ist fehlerlos und relativ robust, die Markings sauber graviert. Auf der linken Seite sind die Herstellermarkings von Browning zu finden, die Dank der Lizenz von Umarex verwendet werden können. Dafür findet sich auf der rechten Seite auch gleich eine Bestätigung in Form eines Copyright-Hinweises, der nicht ganz originalgetreu ist... Das :f: und die Importeurmarkings hat man aber netterweise auf die Unterseite des Dustcovers verbannt. Die Kaliberangabe auf dem Patronenlager, sowie eine Seriennummer machen die Markings komplett. Vielleicht sollte man noch die Meterangaben im Schiebevisier erwähnen, die als einzige korrekt schwarz lackiert sind, auch wenn sie nicht wirklich zu den "Markings" zählen.



Zu den äußeren Features dieser Waffe gehören sicherlich auch Details wie die angedeuteten Züge im Lauf oder die Kerbe für einen Anschlagschaft. Wer Letzteres erwerben möchte, muß sich allerdings schon ziemlich umsehen. Den Nachbau von Marushin, der zumindest bei der Tanaka paßte, ist neu nicht mehr zu bekommen. Nachbauten für originale Waffen könnten passen, erfordern aber vielleicht auch etwas Nachbearbeitung.



Das Zerlegen der Browning funktioniert ganz ähnlich wie bei einem Colt 1911. Man entnimmt das Magazin und zieht den Schlitten zurück, bis die Kerbe für den Schlittenfang mit der hinteren Öffnung fluchtet. Nun den Schlittenfang leicht anheben und herausziehen. Jetzt läßt sich der Schlitten nach vorne entnehmen. Nun kann man noch Federführungsstange und Feder entfernen und den Lauf nach hinten ausbauen. Irgendwelche Federhülsen oder Bushings gibt es nicht.

Beim Zusammensetzen sollte man nur darauf achten, daß man den Schlitten erst locker aufsetzt, bis die Achsöffnung für den Schlittenfang frei ist. Jetzt den Schlittenfang einsetzen, aber noch nicht ganz reindrücken. Das geht erst, wenn der Schlitten wieder bis fast nach ganz hinten zurückgezogen wird und die hintere Öffnung frei ist. Um den Hammer zu entspannen, muß man das Magazin wieder einsetzen. Es lebe die Magazinsicherung! Aber dazu gleich mehr.



Beim Zerlegen fällt schon auf, daß die Browning aus deutlich weniger Einzelteilen besteht als ein Colt 1911. Und wer die Explosionszeichnungen oder Fotos vergleicht sieht auch, daß WE die Tanaka hier sehr exakt kopiert hat. Ob Einzelteile austauschbar sind, kann ich mangels einer Tanaka nicht einmal sagen. Und irgendwie wäre schon der Versuch ein Verbrechen. Aber es zeigt doch zumindest, daß WE sich eine sehr gute Vorlage ausgesucht hat.
Dementsprechend sind auch Besonderheiten umgesetzt, wie der etwas anders funktionierende Abzug. Bei der Browning wird die Kraft des Abzugzüngels über eine Wippe im Schlitten übertragen. Dies sorgt, wie auch bei der echten Waffe, dafür, daß sich die Waffe auch nur vollständig verriegelt abfeuern läßt.



Die Handlage ist, wegen des doppelreihigen Magazins und des steileren Griffwinkels, eher mit einer Beretta vergleichbar. Alle Bedienelemente sind für mittelgroße Hände gut zu erreichen. Dazu gehört auch die einseitige Sicherung, die sowohl Abzug als auch Schlitten blockiert. Sehr praktisch, wenn die Waffe beim Holstern nicht versehentlich gespannt werden kann!



Zu den Neuerungen der M1935 gegenüber dem Colt 1911 gehört auch der auf einer Achse gelagerte Abzug, der sich völlig ruckelfei bewegt. Allerdings ist er hier auch deutlich schwergängiger als andere Single-Action-Abzüge. Das ist nur kein Fehler von WE, sondern der Konstruktion geschuldet. Browning wollte damals einen hohen Abzugswiderstand, daher baute er eine relativ starke Feder ein. Die Replik macht das nur nach.
Eine Entspannfunktion gibt es hier nicht, wer die Waffe wieder entspannen möchte, muß das über den Abzug tun. Das geht sogar gefahrlos, im Gegensatz zu manch anderen GBBs, wenn das Magazin drin ist.

Das Magazin ist beim Entspannen drin?!? Ja, es muß! Die Browning hat zusätzlich noch die Magazinsicherung ihres echten Vorbilds geerbt. Ohne eingelegtes Magazin läßt sich der Abzug nicht betätigen. Nach heutigen Sicherheitsstandards ein eher lästiges Feature, aber halt originalgetreu.



Beim Schußtest fällt die Stärke von 0,9 Joule mit 0,20er BBs absolut nicht aus dem Rahmen. Das ist genau der Bereich, den man bei dieser Waffe erwarten würde. Anders sieht es mit der Präzision aus. Die Streuung ist, gemessen an anderen Pistolen von WE, doch schon enorm. Das grobe Visierbild trägt sicherlich auch nicht unbedingt zur Präzision bei, dürfte aber als einzige Erklärung nicht ausreichen.



Wenn man dann aber noch sieht, daß es bei dieser Waffe gar kein Hop-Up gibt.. Auch hier hat man das Vorbild von Tanaka exakt kopiert. Nach meinem Geschmack etwas zu exakt, denn ein Hop-Up hätte, ähnlich der 1911, durchaus gepaßt. So ist die Trefferleistung dieser Waffe weit schlechter, als es der Aufbau zulassen würde. Da auch Tuner wie Ra-Tech an dieser Stelle bisher nicht aktiv wurden, ist Abhilfe gegenwärtig nicht in Sicht. Eigentlich schade für die ansonsten so solide Konstruktion.



Fazit

Die WE Browning High-Power fällt eher in die Kategorie der Sammler- als Spielerwaffen. Viele Details entsprechen genau dem realen Vorbild, wie die Magazinsicherung oder das Kurvenvisier. Für Spieler ist dagegen das fehlende Hop-Up ärgerlich. In dieser Hinsicht ist der nicht mitgelieferte Spedloader natürlich verständlich, die Zielgruppe lädt, wenn überhaupt, von Hand...

WE hat hier aber wieder eine sehr solide Konstruktion abgeliefert, die weniger den Mainstream als den Kenner anspricht. Natürlich gebührt ein Teil dieses Verdienstes auch Tanaka, die das Vorbild für diese Waffe einst gebaut haben. Aber von einer Firma wie Tanaka zu kopieren ist ebenfalls anspruchsvoll. Zumindest, wenn das Endprodukt so gut funktionieren soll, wie im vorliegenden Fall!



1911 vs. HP



Die Verriegelung bei der 1911 funktioniert so: Unter dem Lauf ist ein "Kettenglied", ein kurzes Metallstück mit zwei Achsen. Die eine ist am Lauf befestigt, die andere ist der Verschlußfanghebel. Das Kettenglied steht im verriegelten Zustand leicht nach vorne geneigt und drückt den "Kamm" des Laufs in entsprechende Aussparungen im Schlitten (1). Nach der Schußabgabe bewegen sich Lauf und Schlitten gemeinsam zurück (2). Dabei dreht sich das Kettenglied um die untere Achse (den Schlittenfang) und zieht damit den Lauf nach unten (3). Dessen Kamm löst sich aus dem Schlitten, der Lauf bleibt stehen und der Schlitten bewegt sich alleine weiter zurück (4). Dabei treten zwei Probleme auf:
1. Das Kettenglied muß am Anfang seiner Bewegung eine leichte Aufwärtskurve machen (2). Das ist zwar nur ein Bruchteil eines Millimeters, aber das funktioniert trotzdem nur, weil der Lauf halt noch so viel Spiel im Schlitten hat. Hätte er saugende Passungen, könnte die Waffe gar nicht funktionieren!
2. Durch die Drehung des Kettenglieds macht der Lauf vom Beginn der Schußabgabe eine vertikale Bewegung mit. Erst zeigt er minimal nach unten (2), dann kippt er sehr stark nach oben ab (3). Während dieser Bewegung ist aber die Kugel noch im Lauf! Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Präzision, was bei einer Militärwaffe aber nicht so schlimm ist. Bei Sportpistolen kann man das über ein besonders locker sitzendes Kettenglied ausgleichen, wodurch der Lauf sich nur minimal bewegt.



Bei der High Power hat Browning eine offene Steuerkurve verwendet. Hier gibt es unter dem Lauf nur eine angeschrägte Öffnung, in die die Achse des Schlittenfangs greift. Lauf und Schlitten bewegen sich anfangs gemeinsam ganz gerade zurück, erst nach ein paar Milimetern wird der Lauf durch die Steuerkurve nach unten geschwenkt. Da hat die Kugel den Lauf aber schon verlassen.


Links:
Wer sich mehr für die Technik dieser Waffen interessiert, für den empfehle ich die Videos von AGI, hier den "Browning Hi-Power Armorer's Course":


http://de.wikipedia.org/wiki/FN_Browning_HP
http://en.wikipedia.org/wiki/Browning_Hi-Power
http://world.guns.ru/handguns/hg/be/fn-browning-hp-e.html
Mit freundlichen Grüßen
Elchinator

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